Wunderbare Waren
Die Orange
Fangen wir beim Namen an: Heißt es jetzt Apfelsine? Oder sagt man Orange? Eigentlich ganz einfach: In Süddeutschland schält man die Orange und im Norden beißt man in die Apfelsine. Aber wo ist die Grenze?
Das wollten Wissenschaftler der philologisch-historischen Fakultät der Universität Augsburg kürzlich auch mal genauer wissen und untersuchte die regionale Verteilung der Nennungen. Das Ergebnis der Studie ist für Sprachschützer alarmierend: Der Norden wird Orange! „Während im gesamten Süden des deutschsprachigen Raums weiterhin ausschließlich Orange gilt, zeigt sich im Norden fast flächendeckend ein Nebeneinander beider Varianten“, so die Forscher. In Hamburg und weiten Teilen Niedersachsens habe sich das süddeutsche Orange inzwischen vollständig durchgesetzt. Hier können Sie die Karte im Detail sehen.
Bevor die Apfelsine ausstirbt, wollen wir wissen, woher der seltsame Name kommt: Können die Menschen nördlich des Mains Äpfel nicht von Orangen unterscheiden? Und was soll die Endung „-sine“? Ganz einfach: „Sine“ ist die frühere Bezeichnung für China – womit Apfelsine in etwa „chinesischer Apfel“ bedeutet. Und tatsächlich stammt die Orange wirklich aus China, wo man die kleine Mandarine und die große Pampelmuse so lange gekreuzt hat, bis mit der Orange die optimale Mischung am Baum hing.
Das goldfarbene Prachtstück machte eine Weltkarriere. Europäische Entdecker beluden ihre Schiffe mit Orangenkisten, entkamen dem Skorbut und beschenkten ihre Fürsten mit der Vitamin-C-Leckerei. Dem Adel schmeckte das exotische Obst. In ihren prunkvollen Barockgärten gehörten Orangenbäume bald zum Inventar. Die Könige fühlten sich beim Anblick gerne an die goldenen Äpfel aus dem Hesperidengarten erinnert.
Was damals noch nicht absehbar war: Die Orange ist heute das am häufigsten angebauten Obst der Welt: Mehr als 60 Millionen Tonnen Orangen ernten Bauern rund um den Globus pro Saison. Jeder Deutsche schält sich im Jahr rund 13 Kilogramm Zitrusfrüchte – davon alleine sechs Kilogramm Orangen und Mandarinen.
Dabei ist die Ernte der Früchte alles andere als massenkompatibel. Noch immer werden die Früchte mühevoll per Hand gepflückt. So ist es nicht verwunderlich, dass Brasilien derzeit der größte Orangen-Lieferant der Welt ist. 18 Tausend Tonnen ernten die Plantagenarbeiter dort jedes Jahr. Der zweitgrößte Produzent sind die USA mit Obst aus dem sonnenverwöhnten Florida (11 Tausend Tonnen). Der größte europäische Orangen-Verkäufer ist Spanien – aber Italien liegt mit 1.800 Tonnen fast gleichauf. Dass es dort nicht so heiß ist, macht die Orangen übrigens nicht schlechter – im Gegenteil: Kühle Temperaturen wirken positiv auf die Qualität der Früchte. Daher gelten Orangen aus dem Mittelmeerraum als besonders hochwertig, während die Früchte aus den Subtropen vor allem zu Saft verarbeitet werden.
Die gewaltigen Mengen angebauter Orangen machen die Vitaminbombe zur ökologischen Zeitbombe. Im konventionellen Anbau werden Pestizide und Insektizide in riesigen Mengen eingesetzt, um Schädlingen auf den monokulturellen Großplantagen noch Herr zu werden. Auch der Transport wird chemisch optimiert. Hier werden pilztötende Mittel wie Thiabendazol (E 233), Orthophenylphenol (E 231), Natriumorthophenylphenol (E 232), Biphenyl (E 230, in der EU nicht mehr erlaubt) und Imazalil eingesetzt, die auch die Fruchtschale stark belasten und zu der Warnung führten, die Hände nach dem Schälen gut zu waschen.
Gesundheitsbedenken und ethische Fragen lassen die zuckersüße Zitrusfrucht immer mehr Menschen sauer aufstoßen. Entsprechend stark steigen die Verkaufszahlen der Bio-Orangen. Anbau ohne chemische Keule und unter dem Label des fairen Handels werden den Menschen immer wichtiger. Auch kulinarische Raffinessen sind ohne Bio-Orangen nicht zu empfehlen: Nur bei Früchten aus zertifiziertem ökologischen Anbau kann man die unbehandelte Schale bedenkenlos als Gewürzmittel einsetzen.
Es ist vermutlich überflüssig, zu erwähnen, wie gesund Zitrusfrüchte sind. Wir tun es trotzdem: 5 Gründe, warum Sie mit Ihrem frischen Wissen unser aktuelles Rezept ausprobieren sollten – egal ob Sie Orangen oder Apfelsinen bei uns gekauft haben.
1. Vitamin C
100 g Orange enthält rund 50 mg Vitamin C. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 60 Gramm.
2. Kalium
Orangen enthalten ca. 180 Milligramm Kalium pro 100 Gramm. Der wichtige Nährstoff senkt den Blutdruck und hält ihn stabil.
3. Limonen
Zitrusfrüchte helfen bei der Entgiftung. Der Aromastoff Limonen sorgt dafür, dass wichtige Enzyme in Dünndarm und Leber aktiv werden, um freie Radikale zu zerstören.
4. Antioxidantien
Rauchen Sie? Dann empfehlen Experten jeden Tag den Saft aus 4 gepressten Orangen zu trinken. Hierin sind Vitamin C und E enthalten – Sie geben Ihrem Körper damit eine Extraportion Antioxidantien, die Sie vor den freien Radikalen aus dem Zigarettenrauch schützen können.
5. Kalzium
Zitrusfrüchte enthalten ca. 40 Milligramm Kalzium pro 100 Gramm. Der Mineralstoff stärkt Knochen, kann vor Osteoporoseschützen und tut den Zähne gut.
Lust bekommen auf Orangen-Grapefruitsalat? Hier geht es zum Rezept.


