Wunderbare Waren
Die Pastinake
Alles kommt irgendwann zurück: Comebacks kennen wir aus der Mode, der Musik und eben auch beim Essen. Was auf dem Laufsteg die Schlaghose, im Club die Soulmusik, das könnte im Kochtopf die Pastinake werden.
Das Revival der vielseitigen und gesunden Wurzel ist längst überfällig. Schließlich war dieser Doldenblütler im Mittelalter nicht vom Speiseplan wegzudenken. Wenn unsere Ahnen an den Tisch kamen, war die Pastinake schon da – egal ob in den Burgen des Adels und den Hütten der Bauern. Nicht ohne Grund nennt man die Pastinake auch „Germanenwurzel“.
Doch mit der Entdeckung Amerikas änderten sich die Essgewohnheiten in der alten Welt. Aus dem Westen kam etwas, das noch schneller satt machte und noch einfacher anzubauen war: die Kartoffel – sozusagen das Fastfood der Frühzeit.
Und heute? Während die einen sich noch immer nicht zu fragen wagen, wie diese große Wurzel heißt, die da in der Gemüseabteilung liegt, lassen sich die Witzigmanns und Schuhbecks der Edelcuisine von der lang verschmähten Feldfrucht zu feinsten Kreationen inspirieren. Mit der Lust am regionalen Gemüse hat der Bioanbau den Boden für die Rückkehr der Rübe geebnet. So wird die Pastinake derzeit wieder fleißig aus der Vergessenheit gebuddelt. Und findet den Weg zurück in die Kochtöpfe.
Die vorwiegend im Winter geernteten Wurzeln schmecken süßlich-würzig – ein bisschen wie die Mischung aus Karotte, Fenchel und Sellerie. Man kann sie anbraten, roh in den Salat schnippseln oder kochen. In der englischen Küche gehört Pastinakenpüree – das wesentlich aromatischer als Kartoffelbrei ist – unter dem Namen Mashed Parsnips noch immer zu den Küchen-Klassikern
Warum es bis zur glorreichen Rückkehr der Pastinake so lange gedauert hat, weiß keiner. Vielleicht liegt es an Vorurteilen aus der Popkultur: Anders als der Spinat wurde Pastinak von den Comicstars regelrecht angefeindet. Donald-Autor Carl Barks hat der Pastinake in der Geschichte „Das goldene Vlies“ ein unrühmliches Denkmal gesetzt – als „ungenießbaren Mahlzeit“ in Form von Pastinakenpudding. Noch heute servieren Donaldisten auf ihren Fan-Kongressen dem Tagungsleiter („PräsidEnte“) öffentlich eine Schüssel dieser Speise.
Wir haben für Sie ein besseres Rezept herausgesucht. Gefüllte Zwiebeln mit Pastinakenpüree und Greyerzerkäse überbacken.
Und am Schluss servieren wir Ihnen wieder ein bisschen geballtes Wissen zur wunderbaren Ware des Monats.
5 Fakten über die vergessene Feldfrucht
- Pastinaken sollten sie in der Pfanne nicht zu dunkel braten. Sonst entsteht ein bitterer Geschmack.
- Im Vergleich zu Karotten kommt Pastinak auf einen viermal so hohen Gehalt an Kalium, Protein und Vitamin C.
- Pastinak ist gut bekömmlich. Durch den geringen Nitratgehalt eignet sich Pastinakenpüree hervorragend als Babynahrung.
- Pastinak hat einen hohen Stärkegehalt, so hat man die Rübe früher auch zur Herstellung von Bier und Pastinakenwein genutzt.
- Sie dürfen beides sagen: „der“ Pastinak und „die“ Pastinake.


